Additive Fertigung in Weltraumanwendungen: EOS unterstützt Portal Space als Technologie-Enabler

07. Juli 2026 | Lesezeit: 6 Min.

 

Die additive Fertigung (AM) spielt bei Projekten im Bereich der Raumfahrttechnik eine immer wichtigere Rolle, insbesondere dort, wo komplexe Geometrien, funktionale Integration und iterative Entwicklung gefragt sind. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit zwischen EOS und Portal Space, die Raketentriebwerkssysteme unter Verwendung eines anwendungsorientierten Entwicklungsansatzes entwickelt und testet.

Portal Space ist eine norwegische interdisziplinäre Studentengruppe, die sich mit der Konstruktion, Fertigung und Validierung von Weltraumhardware befasst. Als sich das Team mit Konzepten für Flüssigtreibstoffantriebe befasste, wurde die Entwicklung einer zuverlässigen Brennkammer zu einer der wichtigsten und technisch anspruchsvollsten Aufgaben des Projekts. Brennkammern sind extremen thermischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt, wobei die Temperaturen nahe an den Schmelzpunkt des Materials heranreichen, was die herkömmliche Fertigung und Wiederverwendung besonders schwierig macht.

In den Entwurf der ersten Brennkammer von Portal Space floss erheblicher Entwicklungsaufwand, einschließlich einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit. Dennoch waren die daraus resultierenden Kammern unzuverlässig und wiesen zahlreiche Mängel auf, die auf den handgeschweißten Fertigungsprozess zurückzuführen waren, der zwar ursprünglich für das Projekt akzeptiert worden war, jedoch eine der größten technischen Unsicherheiten darstellte. Ein entscheidender Wendepunkt erfolgte mit der Einführung der additiven Fertigung mit Metall im Rahmen der Zusammenarbeit mit EOS. Neben der Unterstützung bei Konstruktion und Prozess stellte EOS Portal Space zudem kostenlosen Zugang zur Additive Minds Academy, einschließlich Schulungsinhalten. Dies trug zum Aufbau von Grundkenntnissen im Bereich der Laser-Pulverbettfusion bei und ermöglichte es Portal Space, ein für die additive Fertigung geeignetes Design für seine erste Triebwerksversion zu entwickeln.

Durch die Realisierung einer Brennkammer aus der Nickelbasis-Superlegierung Inconel 718 brachte EOS sowohl sein Know-how im Bereich der additiven Fertigung als auch seine Fertigungskapazitäten ein. Neben der Unterstützung bei der Konstruktion und den Prozessen fertigte EOS zwei additiv hergestellte Brennkammerbaugruppen, was eine robustere und systematischere Validierungsstrategie ermöglichte. Die erste additiv gefertigte Brennkammer wurde für erste Heißbrandtests geliefert, gefolgt von einer zweiten Einheit, in die gezielte Konstruktionsänderungen auf der Grundlage der Testergebnisse einflossen. Dieser iterative Ansatz ermöglichte einen strukturierteren Validierungsprozess und verdeutlicht, wie die additive Fertigung schnelle Konstruktionsverfeinerungen zwischen den Testzyklen unterstützen kann.

3D-Brennkammer von Portal Space, gedruckt aus EOS NickelAlloy

Projekt NANSEN

Die Zusammenarbeit findet im Rahmen des Projekts NANSEN statt, dem aktuellen Entwicklungsprogramm von Portal Space. Die NANSEN-Rakete ist der erste Startversuch der Organisation, weshalb auf eine Nutzlast verzichtet wurde. Diese Entscheidung wurde getroffen, um die Chancen auf einen erfolgreichen Start zu erhöhen.

Portal Space entwickelt ein Flüssigkeitsraketentriebwerk, das mit Ethanol und flüssigem Sauerstoff betrieben wird und Stickstoff als Druckmittel nutzt. Das Triebwerk verfügt über Wirbelinjektoren, eine regenerativ gekühlte Brennkammer und eine Laval-Düse. Die Brennkammer selbst wurde in Zusammenarbeit mit EOS mittels additiver Fertigung aus Metall hergestellt.

Validierung unter realistischen Bedingungen

Nach Abschluss der mechanischen Vorbereitungsarbeiten wurde die additiv gefertigte Brennkammer im Rahmen des gesamten Antriebssystems in ein strukturiertes Testprogramm aufgenommen. Im Mittelpunkt der ersten Validierungsmaßnahmen stand die Charakterisierung des Strömungsverhaltens in den internen Kühlkanälen der Kammer mithilfe von Tests mit Wasser. Darauf folgten kryogene Tests mit flüssigem Stickstoff, um die Leistung und das strukturelle Verhalten bei niedrigen Temperaturen zu bewerten.

Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus den Heißbrandtests im Herbst 2025 wurden zur Optimierung der Triebwerkskonstruktion genutzt. Bei EOS wurde erneut eine zweite Iteration für die endgültige Startkonfiguration hergestellt. Da das Team nun in das letzte Quartal des zweijährigen Entwicklungsprogramms eintritt, wird ein Start im Sommer 2026 angestrebt.

 

AM als Wegbereiter für komplexe Raumfahrt-Hardware

Aus Sicht von EOS verdeutlicht diese Zusammenarbeit, wie die additive Fertigung die Raumfahrttechnik unterstützen kann, indem sie eine funktionale Integration, fortschrittliche Kühlkonzepte sowie einen iterativen Entwicklungs- und Testrahmen ermöglicht. Brennkammern mit ihren komplexen inneren Strukturen und extremen Betriebsbedingungen sind ein typisches Beispiel für Bauteile, bei denen AM-basierte Konstruktionsansätze einen greifbaren Mehrwert schaffen können.

Statischer Heißbrandtest der Brennkammer von Portal Space

„Projekte wie dieses zeigen, wie die additive Fertigung zur Entwicklung und Erprobung hochanspruchsvoller Bauteile für Weltraumanwendungen beitragen kann. Der eigentliche Wert liegt nicht im Bauteil selbst, sondern darin, wie additiv gefertigte Komponenten die funktionale Integration, das iterative Design und Tests auf Systemebene unter anwendungsrelevanten Bedingungen ermöglichen. Es ist diese Kombination aus Designfreiheit, Prozessverständnis und Validierung innerhalb des gesamten Triebwerkssystems, die die additive Fertigung zu einem leistungsstarken Wegbereiter für komplexe Weltraumhardware macht.“
Michael Wohlfart, Teamleiter Additive Minds Business Development und Academy.

 

Portal Space hebt die Zusammenarbeit zudem als wichtige Lernerfahrung bei der praktischen Anwendung der Metall-Additiven Fertigung hervor.

 

„Im Laufe des Projekts haben wir umfassende Einblicke in die additive Fertigung mit Metallen gewonnen, und diese Zusammenarbeit stellte einen Wendepunkt für das Projekt dar. Die Online-Kurse bildeten eine solide Grundlage für die gemeinsame Erörterung unseres ersten AM-Entwurfs mit EOS, während sich der enge Austausch mit dem Team von Additive Minds als äußerst wertvoll erwies. Diese Erfahrung wird nicht nur unsere eigenen zukünftigen Entwicklungen unterstützen, sondern auch zum Aufbau von Wissen und Kompetenzen innerhalb der norwegischen Raumfahrtgemeinschaft beitragen.“
Hector Ignacio Pena Apablaza, Vorstandsvorsitzender bei Portal Space.

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