Next-Generation LNG Verdampfer

Konsortium: IKM Flux, Jiskoot Solutions, Valland, Intertec, ToffeeX, EOS Additive Minds | Fallstudie

>50%

Reduzierung der Messschwankungen beim GHV

während der Feldtests bei Equinor (März 2025)

279 mm

Aluminiumkomponente

3D-gedruckt in AlSi10Mg auf einer EOS M 400-4

150 bar(g)

Druckprüfung bestanden, ATEX-konform

Vollständig nachrüstbar für bestehende LNG-Probenahmesysteme

Wie generatives Design und Metall-AM die Messwertschwankungen um mehr als 50% reduzieren

 
Die präzise Messung von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas - LNG) setzt stabile und exakte Werte für den Bruttoheizwert (Gross Heating Value - GHV) sowie den Wobbe-Index voraus. Die Zuverlässigkeit dieser Messungen hängt maßgeblich von der Leistungsfähigkeit des LNG-Verdampfers ab. Er wandelt kryogenes LNG bei –160 °C in einen homogenen, vollständig verdampften Gasstrom bei etwa +60 °C um. Bereits geringfügige Unregelmäßigkeiten während der Verdampfung können zu Zusammensetzungsschichtungen und Vorfraktionierung führen. Die Folge sind Messabweichungen, die sich unmittelbar auf den kommerziellen Wert einer LNG-Ladung auswirken.

 

Um diese Herausforderungen zu lösen, hat ein branchenübergreifendes Konsortium, bestehend aus IKM Flux, Intertec, Jiskoot Solutions, ToffeeX, Valland und EOS, einen LNG-Verdampfer der nächsten Generation entwickelt.

  1. IKM Flux: Design und Tests des Probennahmesystems

  2. Intertec: Bereitstellung und Zertifizierung des integrierten Heizelements

  3. Jiskoot Lösungen: Konzeptentwicklung und Designführung 
  4. ToffeeX: Generative-Design-Software

  5. Valland: Fertigung auf einer EOS M 290 (AlSi10Mg)

  6. EOS: AM Technologie und DfAM-Expertise zur Umsetzung des generativen Designs in ein zertifiziertes Produkt

Das Ergebnis ist ein monolithisches, additiv gefertigtes Aluminiumbauteil mit optimierten spiralförmigen Strömungskanälen, kontrollierten Turbulenzstrukturen und integrierten Vakuumisolationskammern. Bei Feldtests am LNG-Terminal von Equinor in Hammerfest im März 2025 reduzierte der neue Verdampfer die Schwankungen der GHV-Messwerte um über 50 %. Damit demonstriert er eindrucksvoll das Leistungspotenzial digital entwickelter thermo-fluidischer Systeme in Kombination mit Metall-AM.

Herausforderung

Warum konventionelle LNG-Verdampfer die Messgenauigkeit begrenzen

Die LNG-Verdampfung ist thermodynamisch hochsensibel. LNG tritt mit etwa –160 °C in den Verdampfer ein und muss vollständig verdampft sowie überhitzt werden. Konventionelle Verdampfer basieren meist auf koaxialen Heizkonzepten und spanend gefertigten Komponenten. Sie bieten nur eingeschränkte Kontrolle über: Wärmefluss, Temperaturverteilung, Phasenverhalten, Strömungsbedingungen.

Dies führt häufig zu ungleichmäßiger Verdampfung und damit zu instabilen GHV- und Wobbe-Index-Messungen. Auch der Druckverlust ist kritisch: Ein zu geringer Druckverlust reduziert Turbulenz und Wärmeübertragung. Ein zu hoher Druckverlust verschlechtert die Strömungskonditionierung. Gerade in arktischen oder Offshore-Installationen treten zudem erhebliche Wärmeverluste an die Umgebung auf.

Darüber hinaus begrenzt die konventionelle Fertigung die Kanalgeometrie, die Integration von Isolation und die Funktionsdichte. Um die Messgenauigkeit signifikant zu steigern, war daher ein Verdampfer erforderlich, der Wärmeübertragung, Druckstabilität, Strömungshomogenität und Isolation in einem kompakten, industrietauglichen und retrofit-fähigen System vereint. Der IKM Flux Vaporizer stellt eine grundlegende Neuentwicklung eines zentralen Elements der LNG-Infrastruktur dar.

Der IKM Flux Vaporizer ist eine bahnbrechende Neugestaltung eines wichtigen Elements der Energieinfrastruktur und unterstützt den globalen Handel mit verflüssigtem Erdgas (LNG).

Lösung

Ein durch generative Verfahren entwickelter LNG-Verdampfer, der mittels Metall-AM realisiert wurde.

  1. Ein zentrales Merkmal des neuen Designs ist die Integration von Vakuumisolationskammern direkt in die tragende Struktur des Verdampfers. Dadurch werden Wärmeverluste an die Umgebung erheblich reduziert, was insbesondere unter rauen Umgebungsbedingungen entscheidend ist und nur durch additive Fertigung realisierbar war.
    Die Komponente wurde konsequent nach DfAM-Richtlinien  (Design für additive Fertigung) entwickelt. EOS Additive Minds unterstützte die Auslegung einer vollständig selbsttragenden Innenarchitektur, die während der Metall-AM-Fertigung keine internen Stützstrukturen erfordert. Dies gewährleistet eine zuverlässige Pulverentfernung, reduziert den Materialeinsatz und verbessert die langfristige Betriebsstabilität.
    Die topologieoptimierte Geometrie wurde mit Rhino/Grasshopper modelliert, während interne Gitterbereiche mithilfe impliziter Modellierung in nTop erzeugt und direkt im EOS-Build-Workflow verarbeitet wurden.
  2. Der Verdampfer wurde aus AlSi10Mg  unter Verwendung der EOS-Metall-Laser-Pulverbettfusion gefertigt. Erste Entwicklungsbauteile entstanden auf einer  EOS M 290, die finalen Komponenten wurden auf einer EOS M 400-4 produziert. Ein Parametersatz mit 40 µm Schichtdicke in Kombination mit einer Skip-Layer-Strategie ermöglichte eine hohe Oberflächenqualität und verkürzte gleichzeitig die Bauzeit, da Kernbereiche mit einer effektiven Schichthöhe von 80 µm gefertigt wurden.
    Trotz einer Bauteilhöhe von 279 mm und komplexer Innengeometrie gewährleisteten optimierte Prozessparameter eine hohe Maßgenauigkeit, stabile Druckqualität und zuverlässige thermische Eigenschaften. Pulverentfernungsöffnungen wurden direkt in das Design integriert, sodass Restpulver vollständig aus den spiralförmigen Strömungskanälen und Isolationshohlräumen entfernt werden konnte.
    Der fertige Verdampfer ist ein monolithisches Aluminiumbauteil ohne Schweißnähte, Verbindungsstellen oder interne Stützen. Er wurde auf 150 bar(g) geprüft, erfüllt die Anforderungen der ATEX-Klassifizierung und ist für den anspruchsvollen industriellen Betrieb ausgelegt.

Additiv gefertigter LNG-Verdampfer

Die Darstellung zeigt im Schnitt die generativ konstruierten Doppelspiral-Strömungskanäle und die integrierten Vakuumisolationshohlräume.

3D-gedrucktes endgültiges Design des Verdampfers, in zwei Hälften geteilt
Additiv gefertigter LNG-Verdampfer aus AlSi10Mg

Ergebnisse

Messbare Reduzierung der Variabilität bei der LNG-Messung

Während der Feldtests im März 2025 am LNG-Terminal von Equinor in Hammerfest wurde der additiv gefertigte Verdampfer unter identischen Betriebsbedingungen mit einem bestehenden Gerät verglichen.

Bei Durchflussraten von bis zu 1400 SL/h reduzierte sich die Standardabweichung der GHV-Messwerte um über 50 %, was auf eine deutlich verbesserte Verdampfungsstabilität und Wiederholbarkeit der Probenahme hinweist. Der integrierte 500-W-Keramikheizer erwärmte das LNG zuverlässig von –160 °C auf etwa +60 °C, während die optimierte Spiralgeometrie eine frühzeitige und vollständige Verdampfung sicherstellte. Die Betreiber berichteten von einer nahezu vollständigen Eliminierung der Messabweichungen sowie von einem deutlich besser vorhersagbaren Verhalten des Wobbe-Index über längere Probenahmezyklen hinweg. Der Verdampfer ließ sich nahtlos in die bestehende Messinfrastruktur integrieren und bestätigte damit seine Eignung als Drop-in-Nachrüstlösung. 

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Kombination aus physikbasiertem generativem Design und additiver Metallfertigung Leistungssteigerungen ermöglicht, die mit konventionellen Verdampfertechnologien bislang nicht erreichbar waren.

Anwendung von Verdampfern auf der Formnext 2025

Ergebnis und Auswirkungen auf die Branche

Der Verdampfer der nächsten Generation setzt neue Maßstäbe für Genauigkeit und Zuverlässigkeit im LNG-Custody-Transfer. Sein kompaktes, modulares Design ermöglicht sowohl sondenmontierte als auch eigenständige Durchflusskonfigurationen und eignet sich gleichermaßen für Neuinstallationen wie für die Nachrüstung bestehender Systeme.

Durch die Integration von Wärmemanagement, Strukturverhalten, Mischleistung und Isolation in einer einzigen digital entwickelten Geometrie bietet die Lösung folgende Vorteile:

  • Verbesserte Messgenauigkeit im eichpflichtigen LNG-Verkehr
  • Verbesserte Einhaltung regulatorischer Anforderungen
  • Größere Sicherheit bei der Bestimmung des Energiegehalts
  • Reduzierte Betriebsvariabilität
  • Hohe Langzeitzuverlässigkeit durch monolithisches AM-Design

Der erfolgreiche Feldeinsatz bestätigt, dass die additive Metallfertigung für regulierte und sicherheitskritische Anwendungen im LNG- und Energiesektor bereit ist. Gleichzeitig eröffnet sie neue konstruktive Freiheitsgrade und ermöglicht messbare Leistungssteigerungen für thermo-fluidische Komponenten der nächsten Generation.

Das Projekt zeigt zudem, wie EOS den Übergang von simulationsgetriebenem Engineering hin zu vollständig zertifizierter industrieller Hardware im globalen Energiesektor unterstützt.

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